Das Bochumer Westend besteht aus den drei Stadtteilquartieren Goldhamme, Griesenbruch und Stahlhausen. Geographische Grenzen bilden der Westpark samt Jahrhunderthalle im Norden, die Untere Stahlindustrie im Süden sowie die Stadtautobahn im Westen. Im Osten grenzt Griesenbruch bereits an das Kerngebiet der Bochumer Innenstadt. Insg. bewohnen rd. 12.000 Menschen die drei Quartiere, wobei die Stadt Bochum hier einen sinkenden Bevölkerungstrend konstatiert. Die Sozialstruktur ist dabei vor allem durch ihren hohen Anteil an Kindern und älteren Bewohnerinnen und Bewohnern gekennzeichnet. Das Gebiet genießt einen multikulturellen Ruf, der sich hauptsächlich darin begründet, dass rd. ein Viertel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat – deutlich mehr als in der Gesamtstadt.

Architektonisch ist das Gebiet gekennzeichnet durch Gebäude aller Altersklassen, wobei aufgrund der Zerstörung während des zweiten Weltkriegs vermehrt Nachkriegsbauten der 1950er Jahre in Blockrandbebauung zu finden sind. Bei Stahlhausen handelt es sich zudem um eine der ältesten Arbeitersiedlungen des gesamten Ruhrgebiets. Bemerkenswert ist die große Anzahl von über 1.000 Einzeleigentümern im Quartier, was auch damit zusammenhängt, dass, abgesehen von der Vonovia (ehem. Deutschen Annington) mit rd. 1.000 Wohneinheiten, keine weitere Wohnungsgesellschaft größere Bestände vor Ort aufweist.

Die Kombination aus baulichen sowie städtebaulichen Mängeln, die in die Jahre gekommene Bausubstanz vieler Gebäude, als auch die sozial- und infrastrukturell prekäre Situation des Wohnquartiers (erhöhter Anteil an Transferleistungsempfängern etc.) führten zu einer negativen Imagebildung und veranlassten die Stadt Bochum dazu, seit dem Jahr 2004 einen integrierten Stadtumbauprozess anzutreiben, der ab 2007 schließlich umgesetzt wurde. Verantwortlich für das Stadtteilmanagement war seither die „Planungsgruppe Stadtbüro“. Unterstützung am Standort wurde vor allem durch den „Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe – Migrationsarbeit“ („IFAK e. V.“) geleistet, der seit mehr als 30 Jahren ansässig ist und Integrationsarbeit vor Ort leistet. Mitbeteiligt waren zudem der Stadtumbaubeirat, die Westendkonferenz, einzelne Arbeitskreise sowie der StadtumbauTreff. Turnusmäßig fand ein netzwerkartiger Austausch aller Akteure statt, der auch in der Etablierung eines Bewohnergremiums mündete. Daneben wurden zwei Stadtumbaubüros eingerichtet. Im Rahmen des bundesweiten Städtebauförderprogramms „Stadtumbau West“ wurde zudem ein städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet, was letzten Endes zu einer Aufwertung des Wohn- und Lebensraums für alle Bewohner führen sollte.

Zu den zahlreichen umgesetzten Maßnahmen gehört unter anderem die Verbesserung der baulichen Substanz vieler Gebäude. Durch gezielte Eigentümeraktivierung wurden über 150 private Sanierungsmaßnahmen angestoßen, die besonders zur optischen Verschönerung der Nachbarschaft beitrugen. Zukünftig sollen regelmäßig abgehaltene Eigentümerforen dazu beitragen, die erreichte Qualität zu erhalten. Zwei Kerngebiete der strukturellen Umgestaltung waren der Bereich der Wattenscheider Straße sowie der Springerplatz, wo u. a. ein neuer Marktplatz entstand und Parkflächen neu strukturiert wurden. Der ehemalige Luftschutzbunker wurde mit Hilfe eines privaten Investors kernsaniert und beherbergt nun eine private Hochschule für neue Medien, ein Szene-Café sowie Wohnraum. Auch im Bereich Infrastruktur tat sich einiges. Zahlreiche zum Zeitpunkt leerstehende, städtebaulich bedeutende Immobilien wurden reaktiviert. So entstanden in der Friedenkirche in Stahlhausen und in der Alten Post in Goldhamme jeweils ein Stadtteil- und Nachbarschaftstreff. Neben diesen Reaktivierungen wurden Fördergelder auch in einen Neubau sowie eine Erweiterung einer Kindertagesstätte und in eine Schulsanierung investiert. Zur Unterstützung der Nahversorgung wurde außerdem ein Discounter in Goldhamme angesiedelt, am Springerplatz wurde der traditionelle Stadtteilmarkt reetabliert. Auch sozial-integrative Projekte wie das Stadtteilprojekt aller Institutionen zum Thema Integration erfreuen sich derweil regen Interesses. Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen wie die Quartiershausmeister und die Integrationslotsen finden Zulauf. Mit leichter Verzögerung fanden auch künstlerische Gestaltungsvorschläge, bspw. in Form der KunstLichttore an den jeweiligen Bahnunterführungen, ihre Umsetzung.

Offiziell endete der Stadtumbau mit Ende des Jahres 2013. Während im Griesenbruch und in Stahlhausen die Stadtumbaumaßnahmen zu deutlichen positiven Veränderungen geführt haben, gilt dies nicht im gleichen Maße für das Teilgebiet Goldhamme. Dort sind noch Optimierungen sowohl im baulichen als auch sozio- kulturellen Bereich möglich und nötig. Die Verwaltung hat daher im Oktober 2013 einen Folgeförderantrag für das Teilgebiet Goldhamme sowie ausgewählten Maßnahmen für das gesamte Westend (Außenanlagen- und Fassadenprogramm, Untere Stahlindustrie, Förderpauschale) gestellt. Der Förderzeitraum endet voraussichtlich Ende 2019.

 

Das Bochumer Westend war gemeinsam mit dem ViktoriaQuartier Ziel einer der drei Exkursionen im Rahmen des Quartierskongresses 2017.

 

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